Sonntag, 25. März 2012

Blümchen und Co Hochzeitsausstellung in der Albani-Kirche Göttingen.

Der bekannte Göttinger Blumenladen "Blümchen und Co" hatte heute zur Hochzeitsausstellung geladen.

Neben dem Hotel Freigeist Northeim, der Druckerei Ernst, dem Brautmodengeschäft Friederike Lohrengel (und natürlich Blümchen und Co), war ich als ausstellender Fotograf da. 

Ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, ein wenig zu fotografieren.

Vielen lieben Dank an Frau Hofmann für die freundliche Einladung. Es war ein wirklich schöner Tag, mit vielen guten Gesprächen.
































Donnerstag, 22. März 2012

Babybauchshooting mit Jasmin


Auftakt zum neuen Baby's-First-Year-Angebot (mehr Infos ganz unten)

Letztes Wochenende war ich bei Jasmin und Florian zum Babybauchshooting.
Jasmin ist mit ihrem ersten Kind schwanger und gleichzeitig stolze Besitzerin einer mittelgroßen Baustelle in einem kleinen, romantischen Dörfchen.

Als ich dort ankomme, herrscht emsiges Treiben: im Hauseingang klafft ein ungefähr 4x5 Meter großes Loch in der Wand. Dahinter befindet sich einem Raum, der später wohl einmal das Wohnzimmer werden soll. Schuttberge, Holzbretter, neue Mauersteine und ein halbes Dutzend Helfer, die gerade dabei sind das Haus zu sanieren. Doch, was das Bild so außergewöhnlich macht ist Jasmin. Sie steht mit einem breiten Lächeln und einem gigantischen Bauch auf dem obersten Treppenabsatz und begrüßt mich freudestrahlend.

Wir hatten das Shooting vor drei Monaten verabredet und zu dem Zeitpunkt war ihr Bauch nur halb so groß....wenn überhaupt.
Große Anerkennung von mir: sie und ihr Mann meistern nicht nur die Schwangerschaft, sondern auch noch so ein Projekt hier.

Nach ein paar Minuten kommt auch schon Kerstin angefahren. Sie macht macht das Makeup für Jasmin.

Beim Betreten des Hauses fällt sofort auf: nicht nur der vordere Teil ist eine Baustelle, sondern das gesamte Gebäude. Im Ganzen Haus wird geschraubt, gehämmert, gebohrt, abgerissen und neu aufgebaut. Überall grüßen freundliche Menschen in Arbeitskleidung und Staub in den Haaren und Jasmin führt mich in den ersten Stock.
Hier bietet sich das selbe Bild. Aufgestemmte Wände, Schuttberge und jede Menge Arbeit. Baustellen beherbergen ja viele potentielle Möglichkeiten zum Fotografieren und ich halte die Augen offen. Jasmin führt mich noch eine weitere Treppe nach oben und ich komme aus dem Stauen fast nicht mehr heraus. Ist der untere Bereich des Hauses eine Baustelle, ist es hier oben komplett ausgebaut. Ein rechteckiger großer Raum, direkt unter dem Dach, Parkettboden, viele Fenster lassen viel Licht herein und geben dem ganzen, dank des wundervollen Frühlingswetters, eine frühsommerliche Atmosphäre.

Das wird unsere erste Location. Ich schaue mich kurz im Haus um und entdecke einen, kleinen dunkleren Raum in der ersten Etage und entscheide, dass wir hier auch unbedingt ein Foto machen müssen. Die Blitzanlage, die ich mitgebracht habe, benötigt Gott sei Dank keinen Stromanschluss. Wir würden ihn hier auch nicht finden.

Jasmin führt mich weiter in den großen Garten, der unterhalb der Burg Plesse liegt. Wahre Dorfromantik.
Jasmin erzählt mir später, dass Florian und sie sich dort oben kennengelernt haben und dass diese Aussicht für die beiden etwas ganz Besonderes ist.
Im Garten befindet sich auch ein kleiner Schuppen, vollgestellt mit Holz und mindestens 70 Jahre alt. Eine große fotografische Herausforderung, denn nur ein kleines Fenster wirft Licht in den Raum.

Während Kerstin Jasmins Makeup aufträgt bringe ich meine Sachen unter das Dach.


Ich schaue mich kurz um und entscheide, dass erste Set an einer Steinwand (bestimmt der Kamin) mitten im Raum zu fotografieren. Ich baue die Blitzanlage auf und beschließe mit einer sehr offenen Blende von f2.8 bei ISO 100 anzufangen. Dabei fungiert der Blitz mit einer großen Softbox als simpler Aufheller. Weitere Lichter werden nicht gebraucht. Der Raum ist hell genug.
Als Kerstin fertig ist, mache ich auch schon die ersten Bilder. Ein Geländer im Vordergrund gibt dem Bild ein wenig Tiefe. Vor der Kamera ist Jasmin absolut locker, geduldig und nach nur ein paar Anweisungen posiert sie, als wäre das für sie das Natürlichste der Welt.


Ich fotografiere zunächst mit einem 85mm Objektiv, weil ich die Tiefe des Raumes gut ausnutzen kann. Dann noch mit einem 70-200. Beides mal mit einer f2.8, so dass ich das Licht nicht neu messen muss.
Die Blitzanlage ist dabei fast auf kleinste Leistung eingestellt. Wie gesagt, der Raum ist schon sehr hell.

Dann gehen wir in den ersten Stock und machen die Bilder in dem Raum, bei dem offensichtlich der Putz von den Wänden abgetragen wurde. Ich möchte die krasse Atmosphäre unterstützen und fotografiere nur mit einem Blitzkopf ohne Softbox. Als Resultat erhalten wir harte Schatten. Diese Bilder eignen sich hervorragend für s/w Bearbeitungen. Mein Erfahrung dabei ist, dass leichte Unterbelichtungen einen besonders schönen Effekt für Schwarz-Weiß-Bilder geben.



In einer kurzen Shootingpause entscheiden wir, wegen des tollen Lichts und den bald aufziehenden Wolken, gleich noch mal ein paar Bilder draußen in der Natur zu machen. Also: schnell alles abgebaut und ins Auto verstaut. Die Elinchrom Blitzanlage ist wirklich unheimlich kompakt, leicht und easy auf- und abzubauen. Und robust! Draußen ist der Wind so heftig, dass mir gleich eine Lampe umkippt, aber nichts ist kaputt.
Wegen des starken Windes machen wir rasch ein paar Bilder und fahren dann gleich wieder zurück . Der (geringe) Aufwand hat sich allerdings gelohnt; das Ergebnis ist spektakulär!



Letztendlich wartet dann noch die Scheune auf uns. Das dämmrige Licht macht es nicht leichter zu fotografieren und ich brauche einen Moment, um den einen Blitz unter Kontrolle zu bekommen. Wichtig ist mir, die Atmosphäre der Location zu erhalten und so entscheide ich mich, gegen die schräge Holzdecke zu blitzen. Als Resultat erhalte ich ein sehr weiches und durch das Holz leicht eingefärbtes Licht, das die Eigenheit dieses Ortes unterstreicht.
Ich fotografiere hier wegen des engen Raumen mit einem 20mm, bei einer Blende von f3,5 und einem wirklich hohen ISO von 2000! Die D700 erlaubt wegen des großen Sensors und ihren relativ niedrigen Megapixeln rauscharme Bilder in jedem ISO Bereich. Und selbst wenn das Rauschen irgendwann zu sehen ist, ist die Körnung so schön wie damals zu Film-Zeiten.



Nun, wie ihr sehen könnt, ist es bei Jasmin und Florian bald soweit. Das kleine Menschenkind wird  in ein paar Wochen das Leben der zwei Elten bereichern. Das Kinderzimmer ist fast fertig, hat Florian gesagt. "Und die Küche?", fragt Jasmin. Florian schüttelt den Kopf. "Die wird noch dauern."
Beide sagen fast gleichzeitig: "Hauptsache die Kleine kann gut schlafen."

Alex


PS. Freut Euch auf Bilder von dem kleinen Nachwuchs. Da ich dieses Jahr mein Babyportfolio aufbauen möchte, habe ich das spektakulär günstige Jahres-Angebot "Baby's First Year" im Programm. Jasmin und Florian sich dazu entschieden zuzuschlagen. Ich fotografiere den kleinen Nachwuchs drei Wochen nach der Geburt, nach drei Monaten, nach sechs Monaten und zum ersten Geburtstag."
Wenn ihr auch daran interessiert seid, oder jemanden kennt, für den das in Frage käme, schreibt mich an. Das Angebot gilt bis zum 31.12.2012.



Sonntag, 22. Januar 2012

Welche Kamera kaufen?

Eine Freundin von mir ist gerade dabei, sich die erste Spiegelreflex Kamera zu kaufen und hat es da nicht so leicht.
Wie soll man denn aus dem Wust von Body's, Angeboten und Details DIE richtige Kamera für sich finden. Ich möchte hier mal meine Gedanken zum ersten Kamerakauf niederschreiben.
Aber Achtung! Es gibt natürlich kein Patentrezept, keine Weltformel, die man einfach zu Rate zieht und automatisch das beste Angebot findet. Demnach sind meine Angaben hier ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Aktualität.

1. Was ist besser: Canon, oder Nikon?
Die Gretchenfrage. Heiß diskutiert, wild debattiert. Hier Scheiden sich die Geister und die Foren werden von Wutposts überflutet. Meine Meinung: der Vergleich hinkt! Beide Hersteller liefern exzellente Kameras und Objektive. Canon liefert meiner Erfahrung nach schneller neue Produkte und ist preislich einen Hauch moderater, Nikon liefert dafür oft bahnbrechende Neuheiten. Keine ist besser, oder schlechter! Ich persönlich nutze Nikon seit Jahren, habe aber überhaupt nichts gegen Canon. Die Bedienung unterscheidet sich nur marginal.

2. Mehr Megapixel sind besser als weniger Megapixel.
FALSCH! FALSCH und noch mal FALSCH. Das ist ein sehr schlechtes Verkaufsargument. Ähnlich wie damals die "echten Megahertz" bei Computern, oder FullHD 720 bei Fernsehern.
Wir haben momentan noch zwei Größen von Chips in Kameras verbaut: 1. Crop-Sensoren und 2. Vollformat-Sensoren, beide stehen in Relation zur Kleinbild-Ebene des 35mm Films, wie er damals in allen gängigen Kameras verwendet wurde. Crop-Sensoren sind im Verhältnis kleiner als die Abbildungsebene des Kleinbildfilms, Vollformat-Sensoren sind im Verhältnis gleich groß. Vollformat-Sensoren sind im Moment noch sehr teuer und demnach in den etwas teureren Modellen verbaut, die Crop-Sensoren finden sich in so ziemlich allen DSLR Modellen in der Preiskategorie unter 2000 Euro.
Warum ist jetzt das Argument des Verkäufers "mehr Megapixel sind besser" in 99% der Fälle falsch?
Eine normale Kamera hat heutzutage vielleicht 14, 16 oder 18 Megapixel. Das sind 14/16/18.000.000 Bildpunkte auf der Abbildungsebene. Vor 5 Jahren waren es noch 4/6/8.000.000 Bildpunkte auf der Abbildungsebene. Wir müssen jetzt verstehen, dass die Abbildungsebene sich nicht in der Größe verändert hat. Auf der selben Fläche tummeln sich heute also mitunter 4x so viele Bildpunkte, wie vor fünf Jahren! Jeder Bildpunkt muss demnach immer kleiner werden, damit er immer noch auf den Chip passt. Das geht zur Last der Bildqualität jedes einzelnen Bildpunktes. Am deutlichsten ist dieser negative Aspekt bei Bildern zu sehen, die in schlechteren Lichtverhältnissen geschossen werden.
Das bedeutet jetzt nicht, dass ältere Kameras wegen der geringeren MP Zahl automatisch bessere Bilder machen! Die Kameras heute verarbeiten Bilder wesentlich besser, als damals, kompensieren also häufig die negativen Aspekte der Megapixel-Schlacht.
Eine Kamera mit Vollformat-Sensor hat einen größeren Chip und hat demnach auch eine größere Fläche. Pixel auf dieser Fläche können also größer sein und haben so automatisch eine bessere Bildqualität.
Mein Fazit für Crop-Sensoren: bei aktuellen Modellen nicht nur auf die Megapixel schielen. Sondern auch auf Größe und Gewicht, Schnelligkeit und Zusatzfunktionen achten.
Mein Fazit für Vollformat Sensoren: auch hier würde ich nicht nur die Backend-Modelle bevorzugen. Nikon hat jetzt die D800 angekündigt, die wohl 36(!!!)MP auf dem Chip unterbringen soll. Ob das Konzept aufgeht, bleibt abzuwarten. 16MP auf der D4 scheinen mir deutlich sinnvoller!
Geballtes Arsenal der Nikon Objektive © nikonians.org


3. Brennweitenverlängerung bzw. welches Objektiv soll ich kaufen?
Der Objektivkauf ist im Grunde genommen fast noch viel wichtiger, als der Kauf einer Kamera. Denn das Objektiv liefert das Licht, die Schärfe und ist gestalterisches Mittel durch die Brennweite. Dabei wäre es immer von Vorteil zu wissen, was man denn gerne fotografieren möchte.
Mag man gerne Architektur, Porträts, Landschaftsaufnahmen, oder doch lieber Makrobilder?
Jemand, der sich eine Kamera kauft weiß das oft nicht, deswegen hat sich Industrie die Super-Zooms überlegt. Das sind Objektive, die so ziemlich alle Brennweitenbereich abdecken. Für Crop-Sensoren sind das oft Brennweiten von 18-200mm und für Vollformatsensoren 20-300mm.
Diese Super-Zooms haben den Vorteil, dass sie im Prinzip tatsächlich für jede Situation was zu bieten haben. 18mm sind ganz ok für drinnen, mit 70-120mm macht man Porträts und alles dadrüber kommt den Spannern...im Zoo zu Gute :)
Allerdings ist der Nachteil dieser Objektive in der Einsteigerpreisklasse, dass sie häufig nur mäßige Qualität liefern. Ein Super-Zoom in der gehobenen Preisklasse ist auch nicht das Gelbe vom Ei.
Besonders Lichtstark sind die Objektive auch nicht, was das Fotografieren in available light Situationen schwieriger macht.
Die Kehrseite der Medaille sind dann die Festbrennweiten. Festbrennweiten haben, wie sich aus dem Namen schon lesen lässt, keinen Zoom. Sie sind kleiner und meist leichter und haben eine größeren Durchmesser, was in einer größeren Blendenöffnung resultiert. Sie liefern in der Regel schärfere und kontrastreichere Bilder. Aber dafür fehlt der Zoom: mit einem 20mm lassen sich im Zoo keine schönen Tierbilder machen, weil der Tiger am anderen Ende des Geheges zu einem orangenen Punkt verkommt. Mit einem 600mm ist man auf einer Party auch nicht so recht aufgehoben. Jedes Porträt verkommt zu einer Hautporenstudie.
Für Anfänger sind Super-Zooms im mittleren Preissegment auf jeden Fall die richtige Wahl zum Einstieg. Von da aus lassen sich dann weitere Pläne schmieden: ob es eher ein Weitwinkel, oder ein starkes Tele wird kann dann entschieden werden.
Ach ja: die Brennweitenverlängerung. Ein Wort, dass auch gern hier in Deutschland wild diskutiert wird und das mich wütend macht.
Zunächst die Erklärung: wir erinnern uns an die Crop-Sensoren. Diese Chips sind im Vergleich zur Abbildungsebene des 35mm Kleinbildfilsm kleiner. Meistens so im Bereich 1-1.5. Das heisst der Crop-Chip ist um 1.5fach kleiner, als ein 35mm Bild. Die mm Angaben auf den Objektiven sind aber immer in Relation zum 35mm Film zu sehen. Das heisst: 20mm sind auch nur auf einer Kamera mit einem Vollformatchip tatsächlich 20mm. Auf einem Crop-Chip werden die 20mm zu 30mm (Faktor 1,5!).
Diesen Effekt nennt der Engländer eben auch Crop (von Beschnitt), der Deutsche aber Brennweiterverlängerung. Dieses Wort ist aber Faktisch falsch. Das 20mm Objektiv zeigt auf einer Kamera in etwa den Ausschnitt einer 30mm Objektivs, aber es ist immer noch ein 20mm Objektiv. Das ist ganz besonders bei der Bildgestaltung zu beachten, da Objektive zum Beispiel in verschiedenen Brennweitenbereichen die Perspektive Stauchen. Im Telebereich liegen Motiv im Vordergrund und der Hintergrund dichter zusammen, als bei einem Weitwinkel.
Merke: es gibt keine Brennweitenverlängerung, es gibt Crop.

Diese drei Gedanken sollen Euch helfen ein wenig Ordnung in den Wust der Angebote und Meinungen zu bringen, die ihr zu Rate zieht, wenn ihr auf der Suche nach einer neuen Kamera und einem neuen Objektiv seid.

Viel Erfolg und viel Spaß beim Fotografieren wünscht

John Alexander Bell

Sonntag, 5. Juni 2011

Color up your life, by coloring down your pictures.

Weniger isst Meer!

Jedes Kind weiß: mehr ist mehr. Tausend Euro sind besser, als 20 Cent, eine Schwarzwälderkirschtorte ist besser als ein pappiges Milchbrötchen und eine Boeing 747 schindet eindeutig mehr Eindruck im heimischen Hangar, als der klapprige Golf 2, dem schon wieder die Dachantenne abgebrochen wurde.
Oft könnte man aber auch meinen: weniger ist mehr!
Designer zum Beispiel sind oft Meister des Weglassens. So wirken leere gekachelte Räume mit gigantischen Fensterfronten und einem einzelnen Stuhl einladender, als das logistisch fragwürdig zugestellte Wohnzimmer eines Messy-Opas. Oder zB wenn es um Zutaten für ein leckeres Essen geht, ist meist die Auswahl weniger hochwertiger Ingredienzien von mehr geschmacklichem Hochgenuss gekrönt, als das sinnfreie Volladen der Kochtöpfe mit allem, was der Kühlschrank so hergibt (zumal das Auge ja auch mitisst).
Oh, ein Beispiel fällt mir noch ein: denken wir einmal an die Masse der Passagiere in einem ICE von Hamburg nach München an einem sonnigen Sommer-Freitag nachmittag. Weniger ist hier nicht nur im Sinne von "mehr Raum", sondern auch gleichbedeutend mit dem Sauerstoffgehalt pro Atemzug zu verstehen.

Die Wissenschaft hat meistens immer recht.

Was stimmt denn jetzt? Weniger ist mehr, oder mehr ist mehr?
Halten wir jetzt diese beiden Philosophien gegeneinander, könnte schnell der Eindruck entstehen, wir Menschen benötigten nur eine Prise Geduld und Einfühlungsvermögen und die Welt würde im Glanze der Wenigkeit erstrahlen.
Ist das tatsächlich so?
Ich denke nein, denn im Grunde unserer Herzen sind wir doch alle richtig gern und leidenschaftlich maßlos und frönen voller Hingabe der Völlerei. So beweisen viele einfache psychologische Experimente, dass der Satz "mehr ist mehr" viel eher auf uns zutrifft, als das bescheidenere Äquivalent: zum Beispiel tendieren wir dazu lautere Musik, als die bessere zu bezeichnen, genauso wie wir den süßeren Kuchen, dem weniger süßen vorziehen, die hübschere Frau netter finden und auch den höheren Kontrast bzw. die satteren Farben eines Fotos uns suggerieren: das ist schöner!
Diese Tendenz machen sich, sogenannte "Profi-Fotoprogramme" (ich werde keine Namen nennen) zu Nutze, um uns unterschwellig vozugaukeln, dass wir ganz tolle Bilder gemacht haben. Die Rechnung ist simpel:

Foto rein -> viel Kontrast drauf -> viel Farbe rein = "Ooooh. Schöööön. Das habe ich gut gemacht."

Naja, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Wir sollen ja nicht nur den Eindruck gewinnen, wir hätten tolle Fotos gemacht, sondern sollen auch unterschwellig denken: "Mit diesem Programm sehen meine Bilder besonders schön aus!". Diesen Effekt kann man ein wenig mit den gelben Lampen in der Obst- und Gemüseabteilung eines Supermarkts vergleichen. Diese gelben Lampen über den Lebensmitteln erhöhen den Farbkontrast und lassen alles im frischen und gesunden Licht erstrahlen. Dies speichert man unbewusst ab und ruft es sich beim nächsten Kauf wieder ins Gedächtnis. Und mittlerweile haben so ziemlich alle bekannten Supermärkte eben dieses Konzept für sich entdeckt und über jeder Obst- und Gemüseabteilung hängen nun gelbe Lampen.

Ist das Kunst, oder kann das weg?

Genauso verhält es sich mit den (Profi) Bildverwaltungsprogrammen wie Lightroom und Aperture (verdammt, jetzt hab ich's doch gesagt!).
Sie hängen nun nicht über Obst und Gemüse, aber beim Importieren der Bilder, selbst wenn sie im RAW Format geschossen sind, wird jedes einzelne automatisch Kontrastiert und die Farbe leicht übersättigt, damit die Bilder schön aussehen und man den Eindruck gewinnt: tooooll. Was auf einen Fotolaien noch positiv wirkt, ist für denjenigen der die Bilder weiterverarbeiten möchte, ein sehr großes Hindernis. Denn wenn uns nicht die Originalfarben und Kontraste zur Verfügung stehen, kann es zu einem späteren Zeitpunkt sehr schwierig werden, die Bilder für den Druck so vorzubereiten, dass sie in der Zeitung oder auf dem Flyer noch echt aussehen. Ich hatte einmal ein Shooting mit ein paar Leuten vom Arbeiter Samariter Bund und deren grellen roten und gelben Feuerwehrjacken. Es war fast unmöglich die Bilder für den Druck zu bearbeiten, obwohl ich im RAW-Modus fotografiert hatte und die Farbbearbeitung einem guten Kollegen einer bekannten lokalen Werbefirma überließ. Einfacher Grund war: ich habe nicht aufs Farbmanagement geachtet. Großer Fehler!

Endlich 18!

Wie die gesamte Menschheit weiß, benutzt man zum Farbfeintuning in der Digitalfotografie eine sogenannte Graukarte. Diese Teile heissen Graukarten, weil sie ganz einfach graue Karten sind. Das Grau ist nicht irgendein Grau sondern ein 18%iges, was in Etwa bedeutet, dass diese Helligkeit ca. 18% des Lichtes reflektiert. Früher dienten Graukarten zur Justierung des Belichtungsmessers, heute, also in der digitalen Fotografie, kalibrieren sie, sehr vereinfacht ausgedrückt, den Weißabgleich einer Kamera. Einen Schritt weiter geht dabei die sogenannte Farbgraukarte, die es ermöglicht bestimmte Farbstiche zu lokalisieren und so noch genauer zu arbeiten. Ich selber hatte jetzt die Möglichkeit, den Spydercube auszuprobieren. Bevor ich lang und breit erkläre, wie das Teil aussieht, hier mal ein Bild:
Die einzelnen Komponenten von oben nach unten im Schnelldurchlauf:
1. ne Schlaufe zum Aufhängen
2. ein silberner Ball zum erkennen von Spitzlichtern
3. 18%iges Grau
4. Weiß
5. Schwarz
6. Das Loch ist eine Lichtfalle
7. Stativanschluss.

Wie arbeitet man nun damit? Ganz einfach. Man positioniert Lampen und Motiv und fotografiert den Würfel einmal (motivnah) mit. Anschließend wird in einem Bildverwaltungsprogramm (wie Lightroom) das Bild mit dem Würfel richtig kalibriert und diese Kalibrierung auf alle anderen Bilder mit dem selben Lichtsetup angewandt...fertig. Klingt simpel, oder? Ist es auch! Bei einem meiner letzten Model-Shooting mit Nadine hatte ich also Gelegenheit das Teil auszuprobieren.

Vom Kontrastreich zum Kontrastarm in vier Schritten.

Hier mal ein Ergebnis des Shootings (übrigens war das mal wieder ein Shooting mit meinem guten Freund Michael. Hat Spaß gemacht!).
Es ist im Studio mit zwei Lampen entstanden. Das Objektiv war mein heißgeliebtes 85mm. Blende heute: f2.2 bei Iso 800 und 1/160. Auffällig an diesem Bild sind die leicht roten Haare. Mir war es sehr wichtig, es bei dem "leichten Rot" zu belassen. Oft fühlt man sich als Fotograf genötigt, die schon vorhandenen Dinge immer weiter zu betonen. Rote Haare enden dann meist mit einem Farbstich irgendwo zwischen Lava und Backstein. Das wollte ich nicht. Auch mit der restlichen Retusche habe ich mich zurückgehalten. Kein Make-Up Artist der Welt kann so gut kaschieren, wie das Computer-Programme schaffen, aber zum Einen war es nicht nötig, zum Anderen wollte ich es so puristisch wie nur möglich halten.

Ok, nun aber wieder zurück zum eigentlichen Thema: dem Farbmanagement in der Fotografie und dem kleinen Würfeldingens.

Wie arbeitet man damit?
Zunächst stellt man die Lampen so auf, und fotografiert das Motiv (in diesem Falle Nadine) mit Würfel in der Hand. Später importiert man dann die Bilder in sein Verwaltungstool und entdeckt dann...ach herrje:
Wie oben schon erwähnt möchte mich mein Programm davon überzeugen, dass meine Bilder mit ihm total super aussehen und hat super viel Kontrast und ordentlich Farbsättigung reingedreht! Ich fühle mich zwischen "Yipieeh" und "Würg!". Ich wahre die Höflichkeit.
Danke, das ist sehr nett von Dir, aber jetzt ist das so wie der hilfsbereite Obdachlose, der mir die Frotscheibe putzt und dann ein selbstverständlich Leckerli erwartet. Oder hat Euch in der Stadt schon mal jemand versucht ein Buch zu schenken? Zum Kotzen! ;)
Also als allererstes erstmal Kontrast raus:
Aaaah, schon besser. Jetzt ist nur noch das Problem, dass immer noch die Farben übersättigt sind. Zwar nicht stark, aber für diesen Test deutlich zu viel.
Also weg damit.









Na, das sieht schon neutraler aus. Ein kleiner Tipp: oft könnt ihr Euer Verwaltungsprogramm ganz einfach davon überzeugen, keine Farbveränderungen mehr vorzunehmen, in dem ihr das entsprechende Profil Euerer Kamera vorgebt. Und absolute Vorraussetzung für diese Sperenzien ist das Fotografieren in Raw!
Zum Schluss nun klicke man mit Hilfe des programmeigenen Farbfinders auf das dem Licht zugewandten Grau (in unserem Fall der linken grauen Seite)

Ahaaaa! Na...im Gegensatz zum ersten Bild sieht dieses hier wirklich eher harmlos aus, aber dafür kann man auf recht originale Farben vertrauen.
Super.
Nun kann man die Farbeinstellungen abspeichern und auf die anderen Bilder anwenden. Wenn man das Lichtsetup ändert, muss man natürlich dann wieder den Würfel fotografieren und die selbe Prozedur auf diese Serie dann anwenden.



Weil die Bilder immer etwas schwächlicher wirken, als man es durch die grundsätzlich heftige Kontrastierung gewohnt ist, sollte man diesen Teil des Workflows für sich behalten, sonst darf man sich doofe Sprüche anhören.

Der Würfel kann aber noch mehr. Mit ihm kann man Kontraste regeln (mit der schwarzen und der weißen Seite) und er hat, was ich für sehr nützlich halte, auch noch eine Lichtfalle (das schwarze Loch). Aber will man sich erstmal am Farbmanagement probieren, kann man auch anstelle der Würfels eine einfache Graukarte abfotografieren.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Ausprobieren.


@lex

Mittwoch, 12. Januar 2011

Bewerbungsfotos ganz einfach.


Ich wurde letztes Wochenende von Elli und Jo gebucht, um von ihnen beiden Bewerbungsfotos zu machen. Jo ist angehender Jurist und Elli frischgebackene Sozialwirtin.
Da Bewerbungsfotos meist einen relativ kleinen technischen Aufwand benötigen, habe ich mich dazu entschieden mit wenig Hilfsmitteln die Bilder bei denen beiden zu Hause zu machen.

Ergebnis sollte ein qualitativ hochwertiges und seriöses Bewerbungsbild sein, mit dem sich die beiden jeweils in ihrer Branche bewerben können. Das ist uns gelungen, wie man hier sehen kann.

Wichtig bei Bewerbungsshootings ist mir (wie bei allen anderen Shootings auch) eine persönliche und entspannte Atmosphäre. Da Bewerbungsfotos für die meisten Fotostudios kein lukratives Geschäft sind, wird der Aufwand (die Zeit) immer recht klein gehalten. Ein einziges Foto wird geschossen, schnell automatisierte Bearbeitung, fertig.

Diese Vorgehensweise ist sicherlich wirtschaftlich, birgt aber eine Menge Probleme. Fragen wir uns zunächst: was erwarten wir von einem guten Bewerbungsfoto?
  1. Das Foto soll uns freundlich, aber seriös porträtieren.
  2. Das Foto muss technisch einwandfrei sein.
  3. Wir wollen keinen einzigen Kompromiss tolerieren müssen, denn wir benötigen für die Bewerbung all unser Selbstbewusstsein. Kurzum: wir wollen total zufrieden sein, mit dem Ergebnis!
  4. So kann das Foto im Idealfall auch noch eine Stütze für unser positives Auftreten beim Bewerbungsgespräch sein.
Diese Punkte sind für Fotografen und Porträtierten mit Arbeit verbunden und sicherlich nicht mit einem einzigen Foto realisierbar.
Zunächst muss der Fotograf den Porträtierten "lockerfotografieren", damit er sein Fotolächeln ablegt. Danach erst kann man mit der Seriosität beginnen und es benötigt mehr, als nur eine aufrechte Pose und einen Anzug samt Krawatte, um aus diesen Aspekten ein wirklich gutes Bewerbungsfoto zu formen.

Das allerwichtigste aber ist, dass der Porträtierte voll und ganz mit den Bildern zufrieden ist.
Ist er das nicht, wird er nach Hause gehen und das Ergebnis vor sich und seinen Freunden unter Umständen rechtfertigen. "Das ging alles total schnell." - "So sehe ich ja eigentlich garnicht aus." - "Naja, für die eine Bewerbung reicht es." sind nur einige Sätze, die immer wieder fallen. Doch warum werden diese offensichtlich schlechten Bilder, die einem gar nicht gefallen und nicht den uns wichtigen, oben aufgeführten Punkten entsprechen, trotzdem immer wieder auf eine wichtige Bewerbungsunterlage geklebt?

Ganz einfach:

Das Bild ist technisch gut und es reicht für eine Bewerbung.

Ausserdem tut die Atmosphäre beim Fotografen ihr Übriges. Wir sagen uns: das war ein Fotograf mit richtigem Fotostudio. Wenn der uns so sieht, wird das seine Richtigkeit haben.

Dass es auch viel besser geht, und das ganz ohne Fotostudio und großen Aufwand, zeigen die Bilder von Elli und Jo!


Die nebenstehende Skizze zeigt, wie wir fotografiert haben.
Zunächst haben wir das Schlafzimmer mit seiner langen weissen Wand als Ort Geschehens ausgesucht. Ein bisschen räumen mussten wir schon: so wanderte der Schreibtisch von der Wand nach links, worauf ich den ersten Blitz (einen SB 800 Aufsteckblitz von Nikon) postierte. Er zeigte nach hinten gegen die rückseitige Wand und sollte eine große weiße Fläche erzeugen. Elli und Jo saßen dann etwa einen halben Meter von der Wand entfernt auf einem Stuhl. Hinter dem Stuhl auf dem Boden stand dann mein zweiter Blitz (ein SB 600) und erhellte die Wand. Die beiden Blitze wurden durch den internen Systemblitz der D700 gezündet. Dieser Blitz hatte sonst keine Funktion; will sagen: die Blitzleistung war volle drei Blenden reduziert. Auf der Kamera selber war ein 70-200 2.8 VR IF ED und der Abstand zwischen Motiv und der Kamera betrug etwa 120 cm. Die Bilder sind bei etwa 75 mm und einer Blende von f11 entstanden. Zunächst musste ich die Blitze immer wieder ausrichten und ein wenig probieren, aber nach kurzer Zeit hatten wir das richtige Setup gefunden und konnten loslegen. Da der 1. Blitz nach hinten fotografierte und die Blende mit f11 sehr klein war, gab er immer die volle Leistung ab. Um dem entgegenzuwirken stellte ich den ISO Wert der Kamera ein wenig hoch auf ISO 400. Bei einer Kamera wie der D700 wären auch Werte um die 800 kein Problem, aber zur Unterstützung des Blitzes reichte 400 vollkommen aus und ausserdem wollte ich natürlich so viele Farben wie möglich erhalten.

Insgesamt hat das Shooting 90 Minuten gedauert. Für zwei Bewerbungsfotos sicherlich ein hoher Aufwand, der sich aber ohne Frage gelohnt hat. Im Studio mit vorgefertigtem Setup und Photoshop Automationen liessen sich diese Bilder technisch sicherlich in einem Bruchteil dieser Zeit realisieren, aber die Begeisterung von Elli und Jo ist etwas, das durch die persönliche Zusammenarbeit entstanden ist und die Qualität am Ende unterstreicht.

Auf deren Bewerbung wird nun ein Foto zu sehen sein, hinter dem sie voll und ganz stehen.


Danke ihr beiden :)


@lex

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Ein paar News.

Vielleicht hat es ja der ein oder andere mitbekommen: ich habe meine Webseite ein wenig geändert.
Im Zuge der vielen Hochzeitsshootings gibt es jetzt auch endlich eine Wedding Sektion, in die ich die Fotos aus diesem Jahr eingefügt habe.
Da kann ich mich natürlich gleich auch bei all denen bedanken, die mich als den Fotografen ihres Vertrauens gebucht hatten. Es hat mir selber (obwohl es natürlich immer ein hartes Stück Arbeit ist) sehr viel Spaß mit Euch gemacht und ich wünsche Euch alles erdenklich Gute.

Als Location für einige Hochzeiten hat sich wieder mal der Seeburger See bewährt, ein kleines Gewässer hier in der Gegend. Witzig wird es immer dann, wenn man dort andere Fotografen trifft, die ebenfalls mit Brautpaaren unterwegs sind.
Kollegiale Grüße werden da ebenso selbstverständlich ausgetauscht, wie die Glückwünsche zur Ehe.
Und die Menschen, die per Zufall einen Spaziergang um den See machen, schauen als seien sie im falschen Film, bei all den Brautleuten.
Glück hatten wir dieses Jahr auch wieder mit dem Wetter. Keine Hochzeit ist ins Wasser gefallen und es gab zum Shooting-Termin keine nassen Kleider und Füße.

Ich freue mich schon sehr auf die Hochzeiten im nächsten Jahr. Ein paar Buchungen gibt es schon.

Außerdem habe ich gerade einige Fotoprojekte in der Pipeline, die mir schon eine ganze Weile am Herzen lagen.
Zunächst ist mein aktuelles Portfolio fast fertig! Das Problem mit Portfolios ist ja, dass sie sich ständig erweitern. Man hat also gerade eins fast fertig gestellt, da klingelt das Telefon und man wird für ein interessantes Shooting gebucht, was sich hervorragend fürs eigene Fotobuch eignen würde. Allerdings ist der Termin erst in drei Wochen! "Nagut", sagt man sich "dann muss das halt noch warten mit dem Buch." Und so kommt man dann leicht vom hundertsten ins tausendste und aus Wochen werden Monate. Jetzt habe ich zwar im Januar schon wieder vier Shootings, die ich ebenfalls mit ins Portfolio nehmen könnte, allerdings laufen die unter einem eigenen Thema, aber dazu weiter unten mehr.

Hier schonmal ein kleines Preview von dem Buch, das im Laufe des Januars aus dem Druck kommen wird (ganz bestimmt):

Ich werde Apples Druckservice ausprobieren und das Buch wird dann in der finalen Version 28x22 cm groß sein, einen Leineneinband und einen schönen Umschlag haben und (wenn Apple hält was es verspricht) ziemlich edel daherkommen!

Ich habe das Ganze "interpersonal" getauft, weil mir die Zwischenmenschlichkeit während meiner Shootings so sehr am Herzen liegt. Wer hier die anderen Beiträge gelesen hat, oder mal mit mir zusammengearbeitet hat, wird wissen, was ich meine.
Das Model auf dem Cover ist übrigens Marven aus Kassel. Dieses Bild ist bei ihrem allerersten Shooting entstanden und zeigt im Grunde genau das, was ich mit meinen Studioporträts immer versuche zu erreichen: durch den Dialog und die Zwischenmenschlichkeit die Technik und das Lampenfieber in den Hintergrund zu rücken, die innerste Natürlichkeit nach vorne kommen zu lassen und dann letztendlich auch zu fotografieren. Es soll die gesellschaftliche Maske abgelegt werden und das wahre Gesicht zu Tage kommen. Wenn man dann die zufriedenen Menschen hört "So habe ich mich noch nie auf einem Foto gesehen!", dann hat man das Ziel erreicht. Selbst mit professionellen Models kann man das erreichen. Man muss nur weg von der Idee des Shootings, hin zu echtem persönlichen Interesse und schon weicht die starre Maske der sogenannten Professionalität und zum Vorschein kommt der Mensch dahinter.
Das Portfolio zeigt jedenfalls einen bunten Mix aus achten Jahren fotografischer Arbeit. Porträts, Bands, Fashion und Hochzeiten sind dort zu finden.

Das nächste Projekt, aus dem eine eigene Fotoserie und dann schließlich ein eigener Bildband entstehen wird, nenne ich jetzt mal ganz trocken "Facial Expressions". Ich studiere hier in Göttingen Psychologie (ja auch in meinem Alter ist das mit Studieren noch möglich) und so bin ich über einen amerikanischen Psychologen namens Ekman gestolpert, der sich viel mit menschlichen Gesichtsaudrücken beschäftig hat. Er konnte (frei nach Darwin) nachweisen, das sieben Gesichtsausdrücke genetisch bedingt sind und somit gesellschaftlich unabhängig bei allen Menschen gleich funktionieren. Diese Ausdrücke sind Freude, Trauer, Ekel, Wut, Angst, Schreck und Abscheu. Egal, ob man also im Jungle, oder in New York wohnt, der Gesichtsaudruck der Freude, oder der Wut ist überall gleich. Allerdings eignen sich diese sieben nicht so sehr für einen Bildband, da nur eine wirklich positive Emotion dabei ist. So werde ich das Ganze ein wenig abwandeln und interpretieren.

Die ersten Shootings dazu finden schon ab dem 13.01. statt und ich werde mit Previews nicht geizen.
Versprochen!

Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2011!

@lex

Freitag, 1. Januar 2010

Fellmonster und andere gute Vorsätze.

Zuerst wünsche ich Euch allen ein frohes neues Jahr.

Mein turbulentes, aber auch sehr schönes Jahr 2009 hat im Freundeskreis seinen gebürtigen Ausklang gefunden und ich hoffe, ihr seid auch alle gut reingerutscht!

Fotografisch gibt es bei mir momentan nicht wirklich viel Neues und ich genieße ein wenig die
Ruhe, muss ich zugeben. Aber eins tut sich im Moment doch und das möchte ich der "breiten" Öffentlichkeit natürlich nicht vorenthalten. Aber
lassen wir doch liebe Bilder sprechen:
Dieses kleine Fellmonster heisst Amy, ist eine Golden-Retriever-Hündin und wird ab Februar unsere Familie bereichern. Sie ist gerade mal fünf Wochen alt und hält ihre Mama Muna und ihre vier Geschwister Addy, Alvin, Anouk und Amelie ganz schön auf Trab...naja, um ehrlich zu sein, halten sich alle gegenseitig auf Trab.

Ich habe der Züchterin angeboten, ein paar Welpenbilder zu machen und das hier ist eines davon, das die meisten Menschen in meiner Umgebung dazu verleitet Sätze zu sagen wie: "Boah süß..." und "Wie niedlich..."

Verständlich, oder?

Tiere zu fotografieren ist so ganz anders, als Menschen, denn mit Menschen kann man kommunizieren und, im Gegensatz zu den meisten Tieren auf dieser Welt, haben sie soetwas wie ein formuliertes Ziel sich selber fotografieren zu lassen, wenn sie bei mir sind. Das setzt natürlich voraus, dass sie verstehen, was Fotos sind. Klingt jetzt ziemlich logisch, ist aber ein ganz wichtiger Baustein, den man verstehen muss, wenn man mit Tieren arbeitet.

Ich könnte jetzt zu Amy hingehen und ihr sagen: "Amy, Foto!". Selbst wenn ich ich sie darauf trainiere jedes mal, wenn ich das sage Männchen zu machen, oder Fötchen zu geben, wird sie niemals verstehen, was ich mit dem klackernden Kasten anstelle. Denn sie weiss nicht, was Fotos sind, denn sie hat eine viel simplere Selbstwahrnehmung. Um sich selbst auf der Ebene zu erkennen (ob im Spiegel, oder sonstwo), dass der Groschen fällt: "Das bin ich da auf dem Foto" fehlt den Hunden die nötige Komplexität des Instruments gennant zentrales Nervensystem aka. Hirn (Hundeliebhaber mögen protestieren, aber Selbstwahrnehmung ist tatsächlich nur ganz wenigen Spezies auf unserem Planeten vorbehalten). Wie dem auch sei. Ob ich Amy etwas über Fotos, oder Kaliumpermanganat erzähle, macht für sie in ihrer Hundwelt keinen Unterschied.

Und obwohl man das weiss, verhält man sich doch manchmal so, als ob man Menschen fotografierte. Mir passiert das meist, wenn ich voll dabei bin, dass mir solche Sätze entgleiten wie: "Ja, genauso bleiben!" Noch im Sagen wundere ich mich über mich selbst und überlege, was die Leute um mich herum wohl von mir halten?!

"Kinn noch etwas höher.", hab ich mich auch schon mal sagen hören, als ich eine Katze fotografiert habe! Ich musste fast loslachen...und die Katzenbesitzerin erst.

Demnach ist Geduld angesagt, wenn es um die Arbeit mit Tieren geht, denn sie machen oft das, was ihnen ihre Instinkte vorgeben...und das ist meist nicht "Genau so bleiben", oder "Kinn noch etwas höher!" :)

Ich hatte mal mehrere Shootings mit verschiedenen Tieren für eine Werbakampagne eines Zoofachhandels. Ich habe dort mit Hunden, Katzen, einem Papagei, einer Eidechse und Fischen gearbeitet:


(Ich bin nicht für die Gestaltung der Werbung und somit auch nicht für die starke Kontrastierung des Bilder verantwortlich *g*).
Neben der fehlenden menschlichen Kommunikation muss man natürlich auch immer darauf achten, wie das Tier wohl auf die ungewohnte Umgebung reagiert und ganz zu schweigen von den Blitzen. Jedem, der im Studio fotografiert wird, kann man ja sagen: "Diese Blitze machen dich nicht blind und Du wirst nicht sterben." aber ein Tier, das aus überlebenswichtigen Instinkten heraus handelt könnte den Blitz also als etwas bedrohliches empfinden. Deswegen war es auch für meine Arbeit essentiell, dass immer jemand dabei war, der sich mit den Tieren auskannte, und: den die Tiere kannten.

Denn Vertrauen ist etwas, das sowohl Mensch, als auch Tier lernen können. Und wenn es um Vertrauen und Fotografie geht, könnte ich ganze Bände füllen...

Denn die Chemie zwischen zwei Menschen, oder zwischen Mensch und Tier, lässt sich durch nichts, also auch nicht durch eine bessere Kamera, erkaufen...

Frohes Neues und allseits gute Chemie :)

@lex